Mein letzter Besuch beim Dockville

Ich bin Dockvillerianerin der ersten Stunde. Ich bin auch nach wie vor überzeugt und begeistert von dem Konzept, Musik und Kunst zu vereinen und mehr als “nur ein Festival” anzubieten. Und es gibt wirklich schöne Kunststationen dort.

Aber die Kommerzialisierung nimmt Züge an, die ich wirklich verabscheuungswürdig finde.

Camper können kistenweise Getränke auf das Gelände schleppen, zwar nicht aufs eigentliche Festivalgelände, aber auf den Deich davor. Da Campen 3 Euro kostet und das direkt um die Ecke liegt, reizt das, dort Riesengetränkelager aufzubauen und den Müll direkt auf dem Deich zu verstreuen.

Normalen Festivalgästen wird die winzige Wasserflasche jedoch schon weit vor dem Gelände abgeknöpft. Die gefährlichen Wurfgeschosse Snickers und Mars werden konfisziert. Sicherheit? Nein, nur Geschäftsinteresse.

Die Gastronomiepreise sollen lt. Dockville-Seite sozial verträglich sein, entsprechen aber ganz normalen Festivalpreisen, wie man sie auch vom Hurricane kennt.

Trinkwasser soll es angeblich auf dem Gelände geben, ich habe keine Station gesehen. Sicherlich meinen sie den Viva con Agua Stand, wo man für 50 cent ein Glas Wasser bekommt. Da ist das Hurricane besser. Dort ist ein Tetrapack pro Person erlaubt, so dass man nicht ganz dem Verdursten mangels Geld ausgesetzt wird. Man soll ja viel trinken. Aber auf dem Dockville wird es echt schwierig damit. Man kann dort ähnlich viel trinken wie auf einem Langstreckenflug in der Touristenklasse mit schlecht gelaunten Flugbegleiter/innen.

Ich bin echt wütend und traurig. Ich habe mich monatelang auf das Dockville gefreut und fühle mich nun total unerwünscht und ausgenommen. Im Ergebnis führt das dazu, dass ich heute und morgen nur sehr selektiv zu den Bands gehe, die ich unbedingt sehen will, und auf das verzichte, was Festivals ausmacht: neue Bands kennenzulernen, den ganzen Tag gemütlich abzuhängen und das Ambiente zu geniessen. Sorry, aber 20 Euro nur für meine Grundversorgung mit Wasser bin ich nicht bereit auszugeben.

Ausserdem ist parallel zu dieser unerfreulichen Entwicklung auch das Publikum verroht. Es wird gedrängelt, geschubst, getrampelt und gesoffen (und Bier aufs Gelände geschmuggelt), dass einem Angst und Bange werden kann. Spass ist anders.

Warum ich das hier so ausbreite? Die Dockville-Seite hat keine Kommentarfunktion. Noch Fragen?

PS: Zur Musik: Tomte hatte einen echt miesen Sound. Ich hoffe, heute bei Superpunk und morgen bei Fettes Brot wird’s besser.

13 Antworten

  1. Nachvollziehbar.

    Ich hatte noch nicht das Vergnügen. Bin allerdings eher festivalfeindlich eingestellt. Habe bislang trotz teilweise interessanter Bands auch das Reeperbahndings vermieden; mal sehen, ob ich es dieses Jahr durchhalte, trotz Nada Surf (meine: die Vermeidungsstrategie durchzuhalten).

    Die Kommerzialisierung hält überall Einzug. Allerdings… man muss auch mal sehen, dass für die Veranstalter bzw. die Bands meist nix nachbleibt. Beim Reeperbahndings last year traten die Bands ja überwiegend für nischt auf – also oft nur für CDVerkauf und das war es dann. Ich erhielt ein paar Hintergrundinfos, die mich total erschütterten. Mich. Erschüttert. Das kommt eher selten vor.:-)

    Ich werde, wenn es die Klageritis erlaubt, am nächsten Wochenende den Weg nach Tondern antreten, für einen Tag. Bislang das einzige Festival, was mich wirklich begeistert. Hoffe, das bleibt dann so. S.o.:-)

  2. Ich habe ja nichts dagegen, dass man auch mit Festivals Geld verdient. Kunst muss ja nicht umsonst stattfinden. Aber im diesem Jahr hat man Sponsoren, die Tickets sind ein bissel teurer (wenn auch noch unschlagbar günstig) und die Verzehrpreise ziemlich hoch. Muss man dann unter abwegigsten Sicherheits”begründungen” wirklich alles abzocken, was geht? Ich meine, Bounty???? “Ich bin mit einem Bounty bewaffnet, fahren Sie mich nach Südamerika”. Nee, ist klar. Erinnert mich an den Python Sketch mit der Selbstverteidigung gegen Obst :lol:

    Mich nervt besonders, dass Autofahrer und Camper vor Tagesgästen bevorzugt werden. Die auch noch einen Anfahrtsweg vom feinsten haben. Und trotz eher wenig spektakulärem Wetter (heute siehts besser aus) muss man viel trinken, wenn man den ganzen Tag aufm Festival abhängen will. Wenn ich nicht mal ein Tetrapack mitbringen kann, verdurste ich gnadenlos. Aber hey, Tetrapacks sind voll viese Vurfgeschosse. Mein Taschenschirm hingegen nicht, ist klar :)

    [/zynismus]

  3. Die haben dir dein Bounty weggenommen beim Eingang???

    Auf zum Sievekingsplatz.

    Sowas.

  4. Jaha (heult). Sievekingsplatz oder doch lieber gleich Karlsruhe?

  5. Straßburg! Vergiss den Unrechtsweg bis dahin!

    Sie hätten es ja wenigstens gegen ein Lion eintauschen können. Die spinnen, die Wilhelmsburger.

  6. Ganz meine Ansicht :)

    Aber mal streng rechtlich: AGB hin oder her, können die einem wirklich verbieten, solche Kleinigkeiten mitzunehmen?

  7. Tickticktickticktick… (das ist die Gebührenuhr). (grinst und geht ab)

    (kommt zurück, flüstert) Nö. Aber biste ne Entscheidung des AG Harburg gegen das dann erfolgte Nichthereinlassen gekriegt hättest, wäre schon Dockville 2009 fällig.

  8. Irritiert hat mich auch, dass man für den Shuttle-Bus noch extra bezahlen muss und dass die Bierstände jeweils nur ihre eigenen Pfandbecher zurücknehmen, obwohl die sich nur vom Aufdruck unterscheiden. Diese Art von Kundenbindung finde ich echt peinlich.

  9. Michi: Mich interessiert ja auch grundsätzlich, wie die Rechtslage ist. Dann komme ich nämlich aufs Dockville 2009 (falls ich nochmals hingehe) mit einem Aktenordner voller Schriftsätze und Urteile und haue dem Securitymenschen das um die Ohren (im Wortsinne :lol: ).

    hhiob: das mit dem Shuttlebus sehe ich ja noch ein. Letztes Jahr gabs keinen, da musste man 10-15 Minuten bis zum Bus 13 laufen, der dann auch nur noch alle 20 Minuten fährt. Für den Zeitgewinn gebe ich gerne 2 Euro aus. Dass die S-Bahn nun gerade ihre Wichen erneuert und man dann doch doof rumsteht, dafür kann das Dockville ja auch nichts.

    Ich gebe ja zu, dass man dieses Jahr echt mehr Leistung geboten bekommt als letztes Jahr. Allerdings war die Kleinheit des Festivals auch ein großer Teil seines Charmes. Dafür bezahle ich dann halt mehr Eintritt. Aber wenn ich sehe, wie viele Dosen und sogar Glasflaschen in der Menge existieren, finde ich es extrem schofelig, dass nicht mal ein Tetrapack mit Wasser erlaubt sein soll. Und wenn Wasser 2,50 und Bier 3 Euro kostet bei gleicher Menge, da weiss man doch, wie die Entscheidung in den meisten Fällen ausgeht. Und dann wundert man sich, wenn manche Leute kaum noch stehen können? Tsääääääää.

    Übrigens verstehe ich den Hype um deichkind immer noch nicht. Meiner Meinung nach ist das eine einzige Publikumsverarsche. Aber dazu schreibe ich vielleicht noch mal einen eigenen Artikel.

  10. Gut. So fangen sie alle an, die Mandanten. Und dann wollen sie nix zahlen. Den Trick kenn ich. Nixda.

  11. Pah! Ich weiss doch nicht mal, ob Sie echter Anwalt sind oder so ein Winkeladvokat mit einem LLM an der Uni Bora-Bora.

  12. Weiter so. So treiben Sie nur die Stundensätze in die unendliche Höhe!

  13. Gibt da keine Gebührenordnung, na?

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