(Hervorhebungen durch mich)
Mopo.de vom 16.04.
Die Alarmglocken schrillten laut und frühzeitig – doch es nutzte wenig: Bei der angeschlagenen HSH Nordbank gab es bereits 2007 deutliche Hinweise auf Fehler beim Risikomanagement. Dies geht aus einem bankinternen Bericht hervor, der dem “Stern” vorliegt.
Demnach sei bereits einzelnen Mitgliedern des Aufsichtsrats im Dezember 2007 bekannt gewesen, dass die Überwachungsinstrumente “nicht ausreichend” seien und mit “fehlerhaften Bewertungsmethoden bei den zentralen Instrumenten des Risikocontrollings” gearbeitet würde. Wie das Magazin weiter berichtet, sei im April 2008 auch der Risikoausschuss des Aufsichtsrats informiert worden.
Zwar ist Finanzsenator Michael Freytag (CDU) nicht Mitglied im Risikoausschuss, die Opposition nimmt ihn als Aufsichtsratsmitglied trotzdem in Haftung: “Der Finanzsenator hat sein Wissen verheimlicht und dem Parlament vorenthalten”, sagt Peter Tschenscher (SPD). Tatsächlich hatte Freytag weder öffentlich noch hinter verschlossenen Türen über die bankinterne Einschätzung zur Risikobewertung gesprochen. Öffentlich hatte Freytag die HSH Nordbank noch im Oktober 2008 als “im Kern gesund” bezeichnet. Dem Aufsichtsrat muss damals bereits bekannt gewesen sein, dass die Bank komplex stukturierte Wertpapiere ohne eigene Risikoprüfung nur auf Grund von Einstufungen durch Rating-Agenturen gekauft hatte. Wenig später musste die teilstaatliche Bank Verluste von 2,8 Milliarden Euro einräumen.
Abendblatt.de vom 16.04.
Wer war wann worüber informiert? Noch bevor die Untersuchungsausschüsse in Hamburg und Kiel zum “Fall HSH Nordbank” auch nur beschlossen wurden, geschweige denn ihre Arbeit aufgenommen haben, rückt diese Frage mit den vielen Ws immer mehr in den Mittelpunkt.
Aktueller Fall: Bereits am 7. April 2008 wurde im Risikoausschuss, einem Untergremium des Aufsichtsrates, intern vor Problemen beim Risikomanagement gewarnt – und zwar sehr deutlich. “Im Verlauf des vierten Quartals des Jahres 2007 haben unterschiedliche Prozessschwächen in dem Risikosteuerungsprozess für Kapitalmarktgeschäfte zu operationellen Schäden geführt”, zitiert der “Stern” in seiner heutigen Ausgabe aus einem internen Papier. Bei einem Investmentgeschäft seien zum Beispiel 96 Millionen Euro verloren gegangen. Grund seien “nicht ausreichende Überwachungsinstrumente” sowie “die fehlerhafte Bewertungsmethode in den zentralen Instrumenten des Risikocontrollings”. Harter Tobak. Einige Mitglieder des Aufsichtsrats seien darüber bereits im Dezember 2007 informiert worden.
Aber meine absoluten Lieblingsstellen stammen von Stern.de vom 15.04.:
Bei der durch Milliardenverluste am Kapitalmarkt schwer angeschlagenen Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, der HSH Nordbank, gab es bereits frühzeitig deutliche Warnungen, dass die Bank ihr Risikomanagement nicht im Griff hatte. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der HSH Nordbank hervor, berichtet der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.
Der interne Risikobericht wurde dem Risikoausschuss des Aufsichtsrates am 7. April 2008 präsentiert. In ungewohnter Deutlichkeit stellt das Papier interne Schwächen fest: “Im Verlauf des vierten Quartals des Jahres 2007 haben unterschiedliche Prozessschwächen in dem Risikosteuerungsprozess für Kapitalmarktgeschäfte zu operationellen Schäden geführt”, heißt es in dem Papier. So gingen bei einem der Investmentgeschäfte zum Beispiel 96 Millionen Euro verloren.
Es ist weniger die Summe als die Begründung für die Fehlspekulation, die Bankmanager und Aufsichtsräte alarmieren musste: Der Bericht macht “nicht ausreichende Überwachungsinstrumente” sowie “die fehlerhafte Bewertungsmethode in den zentralen Instrumenten des Risikocontrollings” für den Verlust verantwortlich. Teile des Aufsichtsrats der Bank wurden über diese Mängel bereits im Dezember 2007 informiert.
Für das Geschäftsjahr 2007 musste die HSH Nordbank schließlich mehr als eine Millarade Euro auf ihre Finanzanlagen abschreiben.2008 schrieb sie einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein konnten die Bank nur mit einer Finanzspritze von drei Milliarden Euro sowie Milliardenbürgschaften vor dem Kollaps retten.
Eigentlich sollte die HSH Nordbank bis zu diesem Frühjahr an die Börse gehen. Ein weiteres internes Gutachten von Herbst 2007 zeigt, wie weit das Geldhaus von diesem Ziel entfernt war. Darin analysiert die Unternehmensberatung Price-Waterhouse-Coopers (PWC) die Börsentauglichkeit des Instituts aus aktienrechtlicher Sicht. Ergebnis: Das für den Börsenauftritt zuständige Personal der Bank verfüge über nur “geringe Rechts- und Praxiskenntnis”, Rechtssicherheit sei mehr ein “Zufallsprodukt”.
Zur Erinnerung:
Aufsichtsrat
Vorsitzender Herr Senator a.D. Dr. Wolfgang Peiner (Wirtschaftsprüfer)
Aufsichtsratsmitglied Herr Senator Dr. Michael Freytag (Präses der Finanzbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg (und Bankkaufmann!))
Corporate Governance
Eine verantwortungsvolle und auf nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts ausgerichtete Unternehmensführung ist ein wichtiges Anliegen der HSH Nordbank.
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