Ich mag Kino. Also nicht diese Multiplexe und die dazugehörigen Filme – Abspielstätten sind das.
Lichtspiele hingegen, wie das schon klingt. Das Rialto in Wilhelmsburg wird in diesem Jahr 100, und zur Feier öffnet es nach 20 Jahren Leerstand 180 Tage lang seine Pforten dank jeder Menge ehrenamtlichem Einsatz. Hurra.
Alles Wesentliche finden Sie hier, auch zum “Offline-Ticketverkauf”
Am Samstag hatte ich das Vergnügen, das Kino zu einer Veranstaltung mit Bernd Begemann zu besuchen, und ich kann nur sagen: Chapeau, Mesdames et Messieurs, das haben Sie großartig hinbekommen. Schon der Außenbereich verströmt historischen Charme, der Ticketverkauf ist bezaubernd freundlich und es gibt Sonderkonditionen für Insulaner*. Es gibt einen coolen Colaautomat aus den (geschätzt) Fünfziger, Stuck an der Decke und Teile der alten Holzvertäfelung, sozialverträgliche Getränke- und Knabberzeugpreise und die alte Kinobestuhlung.
Das ganze ist so liebenswert, so charmant, dass man sofort Stammgast werden will (für mich nur ein wenig zu weit weg dafür). Ich meine: Die Menschen arbeiten da ehrenamtlich! Haben Namensschilder! Rufen die Gäste vor der Tür herein, damit man mit dem Programm beginnen kann! Haben eine niedrige Holzsperre, an der der Kartenabreisser steht! Wunschfilme! Kinderbuchlesungen! Filmfestivals!
Hach, ich bin total hin und weg.
* Für Nichthamburgerinnen: Wilhelmsburg ist eine Insel, genauer die größte bewohnte Flussinsel Europas oder so, Hamburg ist da jedenfalls stolz drauf, und der Durchschnittshaushalt dort verfügt über ein eher geringes Einkommen.
PS: Das Hin- und Hergewalke bei kulturellen Veranstaltungen wird immer unerträglicher. Ich freue mich schon darauf, in vielen Jahren mit dieser Generation in klassischen Konzerten oder Opern zu sitzen – alle zwei Minuten raus, Bier, Toilette, Zigarette, irgendwas ist immer.
PPS: Ja, das gilt auch für Sie, Carsten Friedrichs.
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