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Es gibt wenig Dinge, die offenbar so eng zusammenhängen, wie ein Konzert auf Kampnagel im Rahmen des Sommerfestivals und strömender Regen. Im August. Yeah!

Wobei es bei meiner Ankunft in Barmbek schon nicht mehr regnete, dafür um so mehr beim Losgehen in Altona. Aber ich lasse mir doch nicht die Stimmung verderben, schon gar nicht von Naturrrrrrrrrrrrrrrrr (nach Erwin Grosche).

Die Sterne treten im kmh auf, das ist sozusagen der Clubraum auf Kampnagel, also dunkel, Stehplätze und Bar. Hinter der Bar im kmh stehen IMMER vier junge Menschen, die ganz klar nicht in der Gastronomie ausgebildet sind und offenkundig auch nicht dafür bezahlt werden, Gäste mit Getränken zu versorgen. Ok, einer ist eventuell primär für die Technik zuständig, zwei sind nur dazu da, um mit Freunden zu quatschen oder gut auszusehen und nur eine Person schenkt Getränke aus. Wie in der DDR: viele Leute da, aber keiner arbeitet.

Da ich rechtzeitig zur Türöffnung da war, habe ich einen guten Platz an der Bühne. Angenehme dezente Menschen um mich herum. Alles schön.

Relativ pünktlich gegen 22.20 geht es auch schon los. Der Merchandise-Mann begrüßt uns und erklärt, es handele sich um kein normales Sternekonzert, sondern einen Abend mit diversen Mitwirkenden. Aha, aha.

Los geht es mit zwei Liedern von Schnipo Schranke. Die wollte ich ohnehin mal sehen, da ihr Bandname ja wohl unbedingt auf die Liste der guten Bandnamen gehört.

Schnipo Schranke. Kampnagel 2014.

Schnipo Schranke.
Kampnagel 2014.

Zwei junge Frauen, Keyboard und Schlagzeug, interessante und sehr wortreiche Texte. Ich meine: Lied 2 besingt das Ende eines Tampons, wann hört man das schon mal!

Ich mag die beiden, obwohl ich es mit Frauenstimmen sonst in der Popmusik nicht so habe (seltene Ausnahmen: Ella Fitzgerald, Bernadette la Hengst, DJ Patex usw.). Ein ganzes Konzert mit ihnen würde mich allerdings nicht reizen.

Dann Auftritt Die Sterne, die drei Männer werden diesmal von einer hübschen Dame am Keyboard begleitet, deren Name mir leider entfallen ist. Thomas Wenzel ist hervorragend gekleidet wie immer, Frank Spilker hingegen… naja…

 

Frank Spilker. Einen schönen Mann entstellt nichts.

Frank Spilker. Einen schönen Mann entstellt nichts.
Im Hintergrund Frau Kraushaar. Kampnagel 2014.

Im Chor singen die beiden Damen der Band Zucker, eine davon hat eine wirklich wenig kleidsame Kombination aus Frisur und Brille, die mich entsetzlich fasziniert.

Frank informiert uns, dass wir das ganze neue Album hören werden, das die Sterne heute erstmals live spielen werden. Dass dazwischen aber auch immer Mitwirkende das Programm unterstützen und eigene Lieder zum besten geben werden. Klingt nach einem guten Plan!

Die Songs von „Flucht in die Flucht“ – das Album erscheint erst nächste Woche – wirken wenig eingängig auf mich. Weder musikalisch noch textlich hinterlässt eines der Lieder einen besonderen Eindruck auf mich. Ich bin sehr gespannt, wie mir die CD gefallen wird. Eines der Lieder erinnerte mich übrigens stark an Funny van Dannen, den Titel habe ich mir selbstredend nicht gemerkt. Und hätte nicht eine miese Bazille die Setlist gemopst, auf die ich ein begehrliches Auge geworfen hatte, könnte ich jetzt nachsehen.

Denn NATÜRLICH blieb es nicht bei den netten dezenten Menschen um mich herum. Denn NATÜRLICH müssen die Menschen, die erst eine Stunde nach Beginn eines Konzertes kommen, sich ganz nach vorne an die Bühne drängen und dabei GENAU VOR MICH!

Immerhin konnte ich verhindern, dass sie da stehenblieben, aber ihr albernes Benehmen hat mich trotzdem genervt. Genauso wie ein Mann, der zwecks Fotos später nach vorn drängte, albern hin und her wackelte, aber zum Glück nach zwei Liedern wieder verschwand.

Sehr nett hingegen der (offizielle?) Fotograf, der deutlich Spaß an der Musik hatte und sich allgemein sehr dezent benahm.

Nach zwei oder drei Liedern bekam dann Zucker die Gelegenheit, ein Lied zu singen. Die Blonde an der Gitarre, die Dame mit der Mönchsfrisur und sie mit Gesang. Naja. Nicht schlecht, aber nichts, was ich mir einen Abend anhören würde. Nichts, was ich nicht in anderer Kombination schon gesehen oder gehört hätte.

Zucker. Kampnagel 2014.

Zucker. Kampnagel 2014.

Auf jeden Fall aber schön, dass junge Frauen die Musikwelt für sich erobern, und schön, dass die Sterne ihnen die Bühne bieten und nicht irgendwelche Gitarrenrockjungsindiebands aufbieten.

Weitere Lieder der neuen Platte, eines davon singt Thomas Wenzel. Ich mag Thomas Wenzel sehr, nicht nur ist er stets top gekleidet, er wirkt auch so herrlich unkompliziert, dabei spielt er ja in zwei großartigen Bands. Heute abend zusammen mit den Goldenen Zitronen, wieder auf Kampnagel. Die Goldenen Zitronen haben ja gelegentlich albernen Auftrittsoutfits, aber selbst diese trägt er stets sehr würdevoll. Thomas Wenzel ist ein cooler Hund.

 

Thomas Wenzel singt. Hurra.

Thomas Wenzel singt. Hurra.

Und dann geschieht etwas wirklich schlimmes. Angekündigt wird die Zukunft des Rock, „Der Bürgermeister der Nacht“. Zwei junge Männer betreten die Bühne, ein Gitarrist mit T-Shirt und Jackett, ein Sänger im Anzug, der mir sofort von Herzen unsympathisch ist. Optisch erinnert er mich ein wenig an Stuckrad-Barre (den ich auch nicht leiden kann), Musik und Texte sind unglaublich banal, aber seine Attitüde ist die eines Rockstars vor einer vollen Arena.

Lange nicht mehr sah ich Selbst- und Fremdbild im Musikbetrieb so deutlich auseinanderfallen wie hier! Durchschnittliche Musik + ungelenke Posen = akutes Fremdschämen!

Der Bürgermeister der Nacht. Kampnagel 2014.

Der Bürgermeister der Nacht. Kampnagel 2014.

NATÜRLICH war das Hemd gelb, natürlich Totenköpfe auf der Krawatte. Au weia!

Gratistip: wenn Pose, dann entweder Max Müller (authentisch, im Einklang mit den Texten) oder Schwefelgelb (Bombast zu Elektro plus Tänzer – professionell). Spätpubertierende müssen ihre Posen noch lernen, schon klar, aber dann seht halt einfach mal genau bei guten Bands hin.

Uff. Zum Glück dann wieder die Sterne, dann ein Lied von Frau Kraushaar, warum man Schafe nicht kränken sollte. Ich mag Frau Kraushaar, und das Lied mag ich auch.

 

Frau  Kraushaar. Kampnagel 2014.

Frau Kraushaar. Kampnagel 2014.

Zum Finale eine Nummer mit allen im Chor. Dieses Lied ist bisher das, was mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist. Naja, und „Hirnf*“, weil es Franks Worten zufolge von Eitunes auf „Hirnf“ verkürzt wurde. Seltsame Unternehmenspolitik.

Nach Abgang und Applaus und Wiederauftritt gab es dann noch ein paar Zugaben aus den früheren Werken. Hurra!

„Deine Pläne“ ist für mich eins ihrer besten Lieder. Überhaupt gefällt mir ihr letztes Album „24/7“ vom ersten bis zum letzten Lied. Das passiert mir eher selten, dass ein Album so durchlaufen kann und alles ist gut. Es folgen „Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die interessanten“. „Universal Tellerwäscher“ (für mich eines ihrer schwachen Lieder, das aber unerklärlich populär und daher unverzichtbar ist), „Was hat Dich bloß so runiert“. Und zum Abschluss, wie in Hamburg eigentlich immer, „Wenn Dir St. Pauli auf den Geist geht“.

Ein bunter Abend, der sehr abwechslungsreich war. Ich bin auf das neue Album gespannt. Insgesamt war ich nicht so glücklich, wie mich ein Sterne-Konzert normalerweise hinterlässt, aber bis zum nächsten mal bin ich mit den neuen Liedern vielleicht vertrauter.

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4 Kommentare zu “So war’s: Die Sterne, Kampnagel, Flucht in die Flucht

  1. Hallo Herr oder Frau hinter diesem Post! Ich gehöre nicht zu den Musikern dieses Abends, ich war aber da und finde es ziemlich ungezogen, so schlecht zu schreiben und dennoch Kritik an Texten üben zu wollen. Ist ja auch eher ein Versuch, daher mag ich nicht zu hart mit Ihnen ins Gericht gehen, aber sich über eine Schlucht zwischen Selbst- und Fremdbild zu echauffieren und dann so einen oberflächlichen (Das Outfit spielt einfach mal keine Rolle, ebenso die Frisur) Quatsch zu schreiben, zeugt von… Krankheit. Es fängt ja schon gut an – mit dem Wetter. Wen interessiert das? Ist es so schwer, die Namen der Musiker zu recherchieren? Ist es so cool, die nicht zu kennen? Wie heißt denn Ihre Band? Wo spielt die? Ihren Style würde ich gerne mal bewundern. Sie haben so viele Menschen beobachten und gemustert, haben sie da überhaupt etwas von der Musik mitbekommen können? Was qualifiziert Sie, gerade Sie, überhaupt etwas darüber zu veröffentlichen? Furchtbar. Verschwendete Zeit, verschwendete Wut. Sie könnten sicher in irgendwas glänzen, warum tun Sie es nicht?

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  2. Sehr geehrter Herr Wau Wau,

    vielen Dank für Ihr anonymes Feedback.
    Dazu erlauben Sie mir folgende Anmerkungen:

    1) Dies ist mein privates Feld-, Wald- und Wiesenblog. Was ich für einen Beitrag recherchieren möchte oder nicht, ist meine Sache, ich bin kein Musikjournalist. Die Menschen, die hier mitlesen, interessieren sich durchaus für mein Erleben.

    2) Seit wann spielt ausgerechnet in der Popmusik das Aussehen und Outfit keine Rolle? Meinen Sie, die Menschen, die die Bühne betreten, haben sich über ihre Kleidung keine Gedanken gemacht? Meinen Sie, die jungen Frauen hätten keinen Style bewiesen? Ich meine genau das Gegenteil. Ich denke, die beiden sind voll auf der Höhe der Zeit. Das muss mir aber nicht gefallen.

    3) Ich bin multitaskingfähig. Ich kann gleichzeitig sehen UND hören. Wollte ich nur hören, würde ich schön zu Hause die CD laufen lassen. In Konzerte gehe ich, um die Musiker/innen live zu sehen. In diesem Fall waren es die Sterne, wegen deren ich zugegen war. Die anderen Bands erlebte ich nun mal an diesem Abend erstmals live. Was finden Sie so schlimm daran, dass mir bestimmte Bands nicht gefallen? Ich mag etliche Musik nicht. Ich kann z.B. nur deshalb keinen Verriss über Ram*stein oder Helene F*scher schreiben, weil ich ihnen nie live begegnen musste. Sonst würden Sie sicher auch darüber einiges hier lesen können.

    4) Was mich qualifiziert: ich liebe Musik. Ich kaufe CDs. Ich gehe in Konzerte. Und bei meinem nächsten Liveauftritt werden Sie der erste sein, der es erfährt.

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  3. Oh, der Kommenator da oben hat wohl gerade Neuland betreten. Herzlich Willkommen im Interweb, Herr Wauwau, nächste Woche erklären wir Ihnen dann gerne hypertextuelle Darstellungsformen und korrekten Sprachgebrauch.

    Aber zum Thema: Danke für den, wirklich sehr coolen, Bericht. Beim Lesen habe ich spontan Lust bekommen selbst mal daran teilzunehmen. Werden die Bilder noch nachgereicht?

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  4. Werter Herr Silencer, unbedingt nächstes Jahr! Es gibt hoffentlich nächstes Jahr auch wieder die Gelegenheit, an einer realen Seifenoper mitzuwirken (Juan Dominguez: Clean Room), was mir dieses Jahr leider entgangen ist. Wurde mir aus berufenem Munde sehr empfohlen!

    Fotos folgen noch. Leider konnte ich nicht viele machen, so dass die Auswahl gelungener Bilder nicht sonderlich hoch ist.

    BTW: „The Season“, das Plüschtiermusical, hätte Ihnen sicher auch gefallen. Das war SOOOO großartig.

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