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Ah, Kampnagel. Ein guter Ort.

Wetterbedingt (auch wenn das niemanden interessiert, höhö) schaffen wir es nicht in den Festivalgarten, sehr schade.

Kampnagel sagt:

Mit einem Ticket durch die letzte Nacht des Festivals: Während im Kanalspielhaus Flora  Boy Division mit Orchester auftritt, zeigt im Club Sample-Großmeister Kid Koala nach der Vorstellung seines Stücks NUFONIA MUST FALL LIVE  die ganze euphorisierende Wirkung von Turntables: ein tanzbarer Wahnsinn aus Blues-Melodien, Highspeed-Scratching und aufputschenden Beats.

Für die größere Halle nebenan proben Die Goldenen Zitronen zur Zeit ein Programm mit Gästen, das zur Entstehung der Nacht beiträgt: eine exklusive, musikalische Zusammenarbeit mit Mitgliedern von „Lampedusa in Hamburg“ als besonderen Stargästen: Mbodiam Elong Jean Jeano, Dieudonné Eboth und LaToya Manly-Spain werden das Kollektiv der Goldies afrikanisch verstärken. (…)

Das Konzert zeigt die Goldies in ihrem Element: der Ausweitung der Musikzone durch verdichtete Unterschiedlichkeit. Seit der Gründung vor genau 30 Jahren betreiben die Hamburger musikalische Gegenaufklärung, indem sie durch ein Referenzsystem von Punk bis Techno mit krautrockigem Bewusstsein rauschen, und das politische Flimmern des Jetzt auf den Punkt bringen. Die weit verzweigten Theater- Musik- und Filmprojekte der sechs Zitronen haben ebenso Spuren in ihrer Musik hinterlassen, wie die realen Kämpfe um Städte und Menschen. So auch auf ihrem jüngsten Album »Who’s Bad«, das »seltsam genau, anachronistisch und zeitgemäß« ist (D.Diederichsen, SZ). Im kmh-Club infiziert dann zu später Stunde nach Kid Koala die New Yorkerin Shannon Funchess die Nacht: Neben gefeierten Auftritten mit ihrem eigenen Duo Light Asylum hat sie mit ihrem düster-druckvollen Gesang jüngst Tracks von The Knife und !!! veredelt, und als DJ sorgt sie für ekstatische, queere Feieratmosphären.

 

Spoiler Alert: die „späte Stunde“ haben wir dann ausgelassen, spät genug war es nach den Zitronen eh.

 

Ich bin eine große Verehrerin der Goldenen Zitronen. Begnadete Musiker, kritische Texte und live einfach mitreißend.

Und, neben SEEED und Knarf Rellöm Trinity, eine der wenigen Bands, die noch ausdrücklich auf einander abgestimmte Kostüme haben. Darüber kann ich mich sehr freuen.

 

Die Goldenen Zitronen, 23.08.2014, Kampnagel

Die Goldenen Zitronen, 23.08.2014, Kampnagel

Das Licht auf Kampnagel ist übrigens immer, wirklich immer, großartig. Es macht wirklich Freude. Für den Ton zeichnet an diesem Abend eine Frau verantwortlich, das ist auch heute noch ein seltener Anblick.

 

Die Mitte des Konzerts bildet eine Ansprache eines Vertreters der Lampedusa-Gruppe sowie mehrere Songs mit den o.g. Mbodiam Elong Jean Jeano, Dieudonné Eboth und LaToya Manly-Spain. Was soll ich sagen, außer Johnny Clegg ist afrikanische Musik nicht mein Ding. Die Version von „Wenn ich ein Turnschuh wär“ auch nicht, aber Mense Reents sieht man seinen Spaß deutlich an und Schorsch Kamerun greift zur Gitarre, ein seltener Anblick.

 

Gruppenbild.

Gruppenbild.

 

Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie die übrigen fünf die Instrumente tauschen, weil offenbar alle zwischen Saiten und Tasten wechseln können.

Bild am Ende des Abends, passte aber hier zum Text.

Bild am Ende des Abends, passte aber hier zum Text.

Thomas Wenzel wird durch Schorsch Kamerun ausdrücklich als Säule der Rhythmussektion belobhudelt – unter Hinweis auf seinen gestrigen Auftritt mit den Sternen. Hurra für Thomas!

 

Zu den Liedern, zu denen Videos existieren, werden diese gezeigt. Das einzige Lied der jüngeren Phase der Zitronen, das mir nicht gefällt, ist Europa. Ich empfinde es als musikalisch und textlich eintönig. Das Video hingegen mag ich. Es läuft mit französischen Untertitel, und da Mense es offenbar einen Tick zu spät gestartet hat, kommen die Untertitel immer etwa zwei Textzeilen zu spät, was eine zusätzliche dritte Ebene schafft, die irritiert, aber nicht stört.

 

Schorsch mal ohne Kutte.

Schorsch mal ohne Kutte.

 

Ich erwähnte vielleicht schon einmal, das Schorsch Kamerun das Publikum mittlerweile siezt, oder er tut das nur im Zusammenhang mit Auftritten an Orten der sogenannten Hochkultur, wer weiß. Oder müssen wir ihn jetzt Herrn Kamerun nennen?

Ted Gaier versucht erneut das Zwiegespräch mit dem Publikum, aber auch heute entsteht kein relevanter Diskurs. Ich frage mich, ob er das mittlerweile erwartet und nur noch als rhetorisches Stilmittel gebraucht, oder ob er doch immer wieder ein wenig enttäuscht ist, dass wir diesen Freiraum nicht nutzen.

Musikalisch bin ich begeistert, viele Favoriten erleben zu dürfen wie Lied der Stimmungshochhalter, Psycho, Positionen, Weil wir einverstanden sind, ICE Berthold Brecht, Menschen haben keine Ahnung. Großartige Songs, exzellent gespielt.

 

Promisichtung: Carsten Meyer, Christoph Twickel. Nach dem Konzert Mense Reents und Schorsch Kamerun.

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4 Kommentare zu “So war’s: Die Goldenen Zitronen, Kampnagel

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