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Dieses Mal musste ich tatsächlich etwas grübeln.

„Hopfen und Malz, ab in den Hals!“ lautet das schöne Motto.

Trotzdem ich durchaus gern Bier trinke, fiel mir zunächst nur „Herr Lehmann“ von Sven Regener ein, auf dessen Umschlag vorn ein Becks-Kronkorken abgebildet ist. Der Held Frank Lehmann ist dem Biertrinken durchaus auch nicht abgeneigt. Und „Kristallrainer“, der Oberunsympath, trinkt Weizen oder später auch Fanta.

„Herr Lehmann“ liebe ich sehr. „Neue Vahr Süd“ langweilte mich zu Tränen, ich konnte es nicht beenden. Zuviel Innenperspektive, zu wenig Geschehen, in Anbetracht dessen zu dickes Buch. Aber hey, die Musik von Element of Crime gefällt mir mittlerweile auch nicht mehr so gut.

Auf jeden Fall dürften viele von Euch das Buch und/oder den Film kennen, so dass ich nicht mehr viel Worte machen muss. Ich kann nur noch die schöne biografische Notiz machen, dass ich an einer Stelle bei der ersten Lektüre einen unglaublichen Lachanfall bekommen habe. Die Situation können nur Berliner_innen nachempfinden, die sich an die legendär unfreundlichen Berliner Busfahrer und die unglaublich blöden Beförderungsbedingungen erinnern können. Diese Szene ist für mich die schönste des Buchs, zusammen mit der traurig-poetischen Szene im Imbiss.

So, gegrübelt habe ich aber über die heutige Zugabe: die Mundorgel. Hurra, erinnern Sie sich an die Mundorgel? Besitzen Sie auch noch eine? Dann singen Sie mit mir:

1. Strophe
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
nach Pankow war sein Ziel.
Da verlor er seinen Jüngsten
janz plötzlich im Jewühl;
ne volle halbe Stunde
hat er nach ihm jespürt.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

2. Strophe
In Pankow gab’s kein Essen,
in Pankow gab’s kein Bier,
war alles uffjefressen
von fremden Leuten hier.
Nicht mal ’ne Butterstulle
hat man ihm reserviert!
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

3. Strophe
Auf der Schönholzer Heide,
da jab’s ne Keilerei,
und Bolle, jar nicht feige,
war mittenmang dabei,
hat’s Messer rausgezogen
und fünfe massakriert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

4. Strophe
Es fing schon an zu tagen,
als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen,
das Nasenbein zerknickt,
das linke Auge fehlte,
das rechte marmoriert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

(hier endet der Abdruck in meiner Ausgabe der Mundorgel, aber hey, das Internet ist mein Freund!)

5. Strophe
Als er nach Haus jekommen,
da ging’s ihm aber schlecht;
da hat ihn seine Olle
janz mörderlich verdrescht!
Ne volle halbe Stunde
hat sie auf ihm poliert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

6. Strophe
Und Bolle wollte sterben,
er hat sich’s überlegt:
er hat sich uff die Schienen
der Kleinbahn druffjelegt.
Die Kleinbahn hat Verspätung,
und vierzehn Tage druff,
da fand man unsern Bolle
als Dörrjemüse uff.

7. Strophe
Und Bolle wurd‘ begraben
in einer alten Kist‘.
Der Pfarrer sagte „Amen“
und warf ihn auf den Mist.
Die Leute klatschten Beifall
und gingen dann nach Haus.
Und nun ist die Geschichte
von unserm Bolle aus.

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6 Kommentare zu “52 Bücher 2014/2015: Woche 6

  1. Herr Lehmann. ❤
    Unser großes Auto heisst so und in seltenen Momenten, nenne ich es auch mal 'Frank'. 🙂
    Hast du auch 'Der kleine Bruder' gelesen? Ich las sie bisher alle 3 (zum Glück in chronologischer, nicht in Erscheinungsreihenfolge, da steigern sie sich) und Magical Mystery steht noch im Regal mit den ungelesenen. Da habe ich sogar eine signierte Ausgabe, die ich bei einer Verlosung auf Spreeblick gewonnen habe. 🙂

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  2. Bei dem Bier-Motto hatte ich auch kurz über Herrn Lehmann nachgedacht…(ich finde aber Neue Vahr Süd fast noch besser, auch wenn da so quälend wenig passiert…) Mit Bolle hast du mir eine besondere Freude gemacht. Wir haben das in der Schule auch immer aus der Mundorgel gesungen und ich hatte keine rechte Vorstellung, was dieses Pankow sein könnte. Und jetzt wohne ich nur ein paar hundert Meter von der Schönholzer Heide und vom Bürgerpark entfernt, wo dieses ganze Lied spielt….

    Liebe Grüße aus Pankow, Andreas

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  3. Die Mundorgel! ❤
    Ich glaube, ich erzählte mal von den größeren und kleineren früheren Familienfesten, bei denen immer irgendwann der Onkel die Gitarre rausholte und die Tante einen Pack Mundorgeln in die Runde reichte. Hach!

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  4. Danke Myriade 😀

    Katja: Nach Neue Vahr Süd habe ich keinen Versuch mehr unternommen. Beim erneuten Lesen habe ich festgestellt, dass diese Erzählweise in Herr Lehrmann bereits angelegt war, aber weniger auffällig, weil die geschichte etwas kompakter erzählt wurde. Dauernd – Verzeihung – Schluffis beim Leben zusehen, dafür brauche ich keine Lektüre.

    Felli: Sie kennen sich wie immer aus 😉 HipHop, Hoppeldipopp…

    Herr Ackerbau: Herzlich willkommen! Ich wusste als Kind auch nicht, wo Pankow liegt, da das ja auch so gut wie unerreichbar war. Aber für Volkslieder mit Moritat hatte ich immer eine Schwäche, Sabinchen war ein Frauenzimmer hätte eigentlich auch gut gepasst.

    Mme PdC: vom Singen erzählten Sie, von der Professionalität mit gereichten Mundorgeln noch nicht. Herrlich.

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