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Trauriger Anlass des gestrigen Artikels in der taz: der seit 2010 schwelende Streit zwischen den Betreibern des Golden Pudel Clubs (aka die Guten, untere Etage) und dem Betreiber des „Oberstübchens“ (aka der Kommerzielle, obere Etage) wurde jetzt vor Gericht getragen.

2008 hatten Schamoni und Richter das Gebäude im St. Pauli Fischmarkt 27, das den Golden Pudel Club, den Pudelsalon und das Archiv des benachbarten Park Fiction beherbergte, gekauft. Um es dem Markt zu entziehen und gemeinsam mit Park Fiction für die langfristige Nutzung zu sichern. „Ursprünglich war für die Mitglieder des Pudel Clubs eine Nutzung des gesamten Hauses vereinbart. Die wurde zunächst auch praktiziert“, sagt Viktor Marek, Geschäftsführer des Pudel Clubs. Doch 2011 eröffnet Richter im Obergeschoss sein Restaurant Oberstübchen. Plötzlich hatten die Pudelmitglieder und die Park-Fiction-Leute keinen Zugang mehr zu Ober- und Dachgeschoss.

Verbunden war das neben dem Verlust des nichtkommerziellen Pudelsalons mit Rocko Schamoni-Tapete mit der Abtrennung des Amphitheaters, das vom Pudel häufig kostenlos bespielt wurde. Plötzlich ist das Café eingezäunt wie eine Kleingartenparzelle.
Ich erinnere mich noch an die Bauarbeiten 2005, bei denen Rocko und Co. den Pudel eigenhändig um die heutige erste Etage und den Dachboden aufgestockt haben. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Ralf in 2010, der erzählte, man habe bereits erfolglos ein Mediationsverfahren durchlaufen, um eine Einigung zu erzielen.

Es macht mich traurig, dass einer der schönsten und besten Orte Hamburgs gefährdet ist. Ich bin traurig, dass genug Menschen unkritisch genug sind, ausgerechnet an diesem Ort das gastronomische Angebot nutzen zu wollen.
Hamburg hat genug Orte, wo diese Menschen Platz haben. Hamburg hat aber nicht genug Orte, an denen Menschen ohne Geld sich aufhalten können, wo es keine Zugangsschranken gibt, wo Menschen versuchen, Gentrifizierung und Verwertungslogik etwas entgegenzusetzen.

Nach allem, was ich in den Medien über den Prozess gelesen habe, bin ich skeptisch, dass eine produktive Lösung gefunden werden kann, wenn der Betreiber der Gastronomie sich nicht „herauskaufen“ lassen will.

Ich halte die Daumen!

Noch habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wie man Verfuege als Förderer unterstützen kann. Ich möchte gern einen Beitrag dazu leisten.

Von verfuege.de

Der Golden Pudel Club in Hamburg St. Pauli existiert an seinem heutigen Ort, St. Pauli Fischmarkt 27, seit 1994. Er wurde Anfang der 1990er Jahre von den Musikern Schorsch Kamerun und Rocko Schamoni gegründet, um mit ihm einen ökonomisch unabhängigen Ort für Musik, Kunst, Performance zu initiieren. Für den in den letzten 20 Jahren starken Gentrifizierungsprozessen ausgesetzten Stadtteil Hamburg St. Pauli ist der Pudel Club auch von stadtteilpolitischer Bedeutung. Im Jahr 1996 konnte das historische Gebäude in unmittelbarer Hafennähe in Zusammenarbeit mit der Initiative Park Fiction entgegen dem städtischen Plan einer mehrstöckigen Neubebauung erhalten werden. Der Golden Pudel Club hat seit 20 Jahren täglich geöffnet. Er ist in dieser Zeit zu einem wichtigen Ort in der Geschichte und Gegenwart musikalisch-subkultureller Lebensformen geworden. Wie vor 25 Jahren ist der Pudel noch heute ein Konstrukt aus vielen Menschen, die diesen Ort kollektiv und ohne die privatwirtschaftliche Dominanz von offiziellen Inhaber-Papieren gestalten.

Dieser Ort ist nun gefährdet. Das Szenario einer Zwangsversteigerung des Grundstücks auf dem Immobilienmarkt ist nicht unwahrscheinlich. Wie ist es zu dieser Situation gekommen? Als die Stadt 2008 viele städtische Grundstücke veräußerte, kauften die zwei damaligen Club-Betreiber das Grundstück des Pudel Clubs. Finanziell trägt die gesamten Kosten des Grundstückskaufs bis heute allein der Pudel Club. Dazu gehören die Tilgung des Umbau- und Kaufkredits sowie die gesamten Haus-Umbaukosten. (Der bestehende Pachtvertrag mit den jetzigen Pudel-Betreiber/innen (ein Kollektiv aus drei langjährigen Mitarbeiter/innen des Pudel Clubs) läuft noch 14 Jahre. Nimmt man den momentanen Vertrag mit den juristischen Eigentümern zur Grundlage, würde der Pudel Club von 2007 bis 2029 (Ablauf des Pachtvertrages) zur Tilgung der Kosten für den Haus-Umbau, sowie den Grundstücks-Kauf ca. 1 Million Euro erwirtschaftet haben (ein zusätzlicher Beitrag der Instandsetzungskosten in Höhe von 15.000 Euro kam von Park Fiction). Möglich sind diese Zahlungen des Clubs an die Grundstückseigner nur durch kollektive, z.T. unbezahlte Mitarbeit vieler Menschen (Pudel-Kollektiv, Musiker/innen, Unterstützer/innen).

Ursprünglich hatte die vom Pudel Club aufzubringende Summe an Kredittilgungen das Ziel einer dauerhaften, kollektiven und nicht gewinnorientierten Nutzung des gesamten Gebäudes. (Von 2006 bis 2010 wurde im Obergeschoss des Gebäudes der tagsüber geöffnete Pudel Salon als Ergänzung des Clubs betrieben.) Dieser gemeinsame Plan wurde allerdings durch einen der Eigentümer konterkariert. Seit 2011 reklamiert dieser den oberen Teil des Gebäudes für sich und betreibt dort einen gastronomischen Betrieb. 2011 erfolgte durch diesen Eigentümer ein eigenmächtiger Austausch der Schlösser im Obergeschoss, der dem Pudel-Kollektiv und dem Miteigentümer des Grundstücks bis heute den Zutritt in die obere Gebäudehälfte unmöglich macht.

Im Jahr 2013 hat sich der Pudel Verein für Gegenkultur e.V. (kurz: VerFüGe) gegründet, an dem die Pudel-Belegschaft, Musiker/innen, Nachbarn/innen und Unterstützer/innen aus dem Umfeld des Pudel Clubs und des Projekts Park Fiction beteiligt sind. Auch der zweite Eigentümer ist Mitglied des Vereins und hat seinen Anteil am Grundstück symbolisch dem Verein übertragen. Eine rechtskräftige Überschreibung ist juristisch nicht möglich, da sie ohne Zustimmung beider Eigentümer nicht erfolgen kann. Ziel des Vereins ist der Erhalt des Clubs am jetzigen Standort und die Überführung des gesamten Grundstücks in einen kollektiven, nicht gewinnorientierten, zusammen mit dem Projekt Park Fiction organisierten Raum; gegebenenfalls auch die Sicherung des Gebäudes vor Immobilienspekulation im Fall einer drohenden Zwangsversteigerung.

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