Home

Die Pladde mag noch nicht feddich sein, aber den Download habe ich eben bekommen.

Rocko Schamoni et l’Orchestre Mirage: Die Vergessenen

Kein Gott! Kein Staat! Keine Arbeit! Kein Geld!

Zu kaufen hier bei der Hanseplatte.

Das swingt total!
 

 

Nachdem er mit Fraktus klarstellte, wer Techno wirklich erfunden hat, kehrt Multitalent Rocko Schamoni gemeinsam mit dem neugegründeten Orchester Mirage am 22. Mai mit einem fulminanten Musikalbum zurück: Die Vergessenen. Darauf: Nicht weniger als 13 zu Unrecht vergessene Perlen deutscher Popgeschichte, orchestriert von seinem Bandleader Sebastian Hoffmann, denen der gelernte Töpferer Schamoni hier den roten Teppich ausrollt.
Auf diesem Album bekommen alte Zick-Zack-Perlen eine gehörige Portion Swing verpasst. Selbst abseitige Songs wie etwa von Freiwillige Selbstkontrolle oder Saal 2 kommen plötzlich unfassbar groß daher und die Lassie Singers klingen plötzlich so, als seien sie 1974 mit Shuggie Otis im Studio gewesen.
Dass alles haben wir Rocko Schamonis Gespür für tolle, vergessene Musik zu verdanken. Und natürlich spricht das vor allem auch für die Qualität dieser Lieder, aber sicher auch für die tollen Arrangements, dem herausragend besetzten Orchester, der formidablen Produktion in den Clouds Hill Studios in Hamburg und schließlich dem feinstofflichen Mix von Heavy Listening in Berlin, die den Vergessenen die nötige Portion Psychedelik verpasst haben.
Auch zwei eigene, zuvor unveröffentlichte Lieder hat Rocko Schamoni in das Repertoire gemogelt. Aber so wie sich auf diesem Album kaum mehr ein Song einer bestimmten Dekade oder Stadt zuordnen lässt, reihen sich auch die Eigenkompositionen wunderbar in diese Song- Auswahl ein.
„Die Vergessenen“ ist keine Background-La-La zum Kaffeekränzchen, sondern eine spannende Reise in eine Welt, zu der ansonsten eigentlich nur noch Chefnerds der Marke High- oder Low-Fidelity Zugang haben.
Musik also, die schon immer nur dann im Radio läuft, wenn alle schlafen. Lieder von Künstlern, die seinerzeit in der Provinz vor 20 Leuten spielten, weil ihrer Musik nie angekommen war. Ob „Die Vergessenen“ heute daran etwas ändern wird?!
Es hört sich verdammt danach an… Maurice Summen, April 2015

Die blauen Fahnen
Wenn ich durch die Städte fahre, auf meiner Never-Ending-Deutschland-Tour seit 1986, und wenn ich dann Radio höre, mich verzweifelt durch die Sender spule, auf der Suche nach Musik, die mein Herz erreicht und meinen Geist belebt, dann fällt mir immer wieder ein Bild ein. Frankreich, im Sommer, am Meer, an der Atlantikküste, die sogenannte Silberküste, hunderte Kilometer feiner Sandstrand, meist menschenleer – und dann auf einmal 2 blaue Fahnen, etwa hundert Meter voneinander entfernt – und um diese beiden Fahnen herum liegen tausende von Menschen- und zwischen diesen beiden Fahnen gehen sie alle ins Wasser – wenn der Bademeister sein Zeichen gibt. Sie schwimmen vorsichtig ein paar Meter hinaus und legen sich dann brav zurück ins fleischerne Beet am Strand. Was sie nicht bemerken: links und rechts und vor ihnen liegt: das unendliche Meer. So geht es mir mit der Musiklandschaft in Deutschland: überall hören die Menschen Musik übers Radio, im Auto, im Büro, in der Werkstatt, den ganzen Tag- und immer und allerorten die gleichen paar hundert Titel. Im Oldie Radio die gleichen von früher, im Chartradio die von heute. Als ob da nicht mehr wäre. Als ob da nicht ein ganzer Ozean voller Musik wäre, groß, tief und wild, in den man eintauchen könnte, in dem man sich erfrischen könnte, in dem man sich ersaufen könnte. Wenn sie nur davon wüssten. Wenn es ihnen jemand erzählen würde. Wenn es ihnen jemand beibringen würde. Ich möchte schwimmen und tauchen, so weit und so tief wie es geht. Und ich würde gerne die blauen Fahnen verbrennen.
Rocko Schamoni, April 2015

Tracklisting:
1. La Moglie Piu Bella (Enno Morricone) | 2. Rom (Saal 2) | 3. Die geheime Weltregierung (GUZ) | 4. Angela (Rocko Schamoni) | 5. Loswerden (Die Regierung) | 6. Was kostet die Welt (FSK) | 7. Michelangelo Anonioni (Caetano Veloso) | 8. Morgenlicht (Ton Steine Scherben) | 9. Früh war der Tag erwacht (Manfred Krug) | 10. Ist das wieder so `ne Phase (Lassie Singers) | 11. Schmerzen (Rocko Schamoni) | 12. Das Zelt (Jeans Team) | 13. Who Will Buy My Yesterdays (John Barry)

Advertisements

2 Kommentare zu “SeiMeiLe: Schönes 14/2015

  1. Das sind weise Worte.

    (Mich schmerzt es so, dass ich kaum noch Musik hören kann. Die meisten Songs laufen nur in meinem Kopf ab, ansonsten reagiert irgendwas in mir sehr schnell mit Überforderung durch Reizüberflutung. Musik war für mich nie anstrengend früher und vor allem war sie immer und überall dabei. Dass das seit ein paar Jahren nicht mehr geht, ist so schlimm für mich.
    Bitte entschuldige, dass ich hier meine Sentimentalität ausgerechnet bei einem Freu-Artikel hinterlasse. 😳 )

    Gefällt mir

  2. Auf Musik verzichten zu müssen, wäre auch furchtbar für mich. Ich hoffe und wünsche Dir, dass sich das auch wieder ändert. Reizüberflutung kann man nur durch größtmögliche Stille und Ruhe vermeiden. Bei mir läuft deshalb Musik auch so gut wie nie „nebenbei“. Eine Sache zur Zeit tut mir deutlich besser.
    (((Katja))).

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s